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Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage

Liebe Gäste,

nun wird auch an der Regelschule "Werratal" Bad Salzungen das Schild „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“ an der Wand hängen und damit nach innen und außen deutlich werden, dass sich sowohl Schülerinnen und Schüler als auch Lehrerinnen und Lehrer der Werratalschule dauerhaft gegen diskriminierende Äußerungen und Handlungen an ihrer Schule einsetzen wollen.

Es ist mir einerseits eine ganz große Freude, als Patin dieses wichtige Projekt zu unterstützen und anlässlich der Verleihung heute gratulieren zu dürfen. Andererseits ist es auch ein merkwürdiges Gefühl, dass man heute Mut oder Courage braucht, um gegen Rassismus zu sein, also etwas, dass man eigentlich für ganz selbstverständlich halten könnte.

Doch leider ist es auch im Jahr 2018 keine Selbstverständlichkeit.

Noch immer werden Bürger in Thüringen und auch in unserer Region aufgrund ihrer Hautfarbe, ihrer Religion oder ihrer Herkunft benachteiligt, diskriminiert und attackiert werden. Im letzten Jahr wurden jeden Tag drei Menschen in Thüringen Opfer rassistischer, antisemitische oder neonazistischer Angriffe  – alleine gemessen an den Fällen die den Opferberatungsstellen überhaupt bekannt wurden.

In den letzten drei Jahren gab es zudem knapp 200 Straftaten an Thüringer Schulen mit rassistischen und neonazistischen Hintergrund, 2017 betraf das auch zwei Bad Salzunger Schulen, bei denen Kennzeichen verbotener Neonazi-Organisationen verbreitet wurden.

Noch immer gibt es Aufmärsche von Rassisten und extremen Rechten. Soziale Netzwerke sind voll mit Beiträgen, in denen über geflüchtete Menschen Unwahrheiten und Beleidigungen verbreitet weren.
Nicht wenige Menschen in unserer Gesellschaft hegen auch im Jahr 2018 Vorurteile gegen andere, die selbst oder deren Eltern aus anderen Ländern stammen oder die schlichtweg anders aussehen als die meisten Menschen in Deutschland. Sie betrachten ihr Gegenüber gar nicht nach seinen Stärken und Schwächen, sondern bewerten es nach der angeblichen oder tatsächlichen Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe.

Und nicht wenige sind der Auffassung, dass sie anderen Menschen überlegen seien und werten diese mit bestimmten Zuschreibungen ab, wie etwa „unehrlich“, „dreckig“ oder kriminell“. Diese Vorurteile begnen uns leider immer wieder, völlig unabhängig in welchem Umfeld und in welcher Altersklasse. Das passiert an Schulen genauso wie bei uns im Thüringer Landtag.

Wichtig dabei ist jedoch: Diese gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit steht im krassen Gegensatz zu den wichtigsten Werten unserer demokratischen Gesellschaft.

Nämlich: die Gleichwertigkeit und Gleichheit aller Menschen.

Zum Kern der der Demokratie gehört auch die Vorstellung, dass alle Menschen das gleiche Recht auf Teilhabe zur Verfügung stehen sollte, egal welches Geschlecht sie haben, was ihre Herkunft ist, welche sexuelle Orientierung haben oder welcher Religion sie angehören. Wir sollten unsere Rechte achten und diese bewahren.

Ich bin sehr froh, dass die Schülerinnen und Schüler aber auch die Lehrerinnen und Lehrer der Werratalschule sich nicht wegducken und nicht schweigen, sondern eine klare Position beziehen. Dass sie für einen respektvollen Umgang werben und auch in Zukunft „Nein!“ sagen wollen, wenn andere menschenverachtend behandelt werden.

Denn das ist leider auch im Jahr 2018 leider nicht immer selbstverständlich, auch  unter Politikerinnen und Politikern nicht.

In sofern bin ich sehr stolz darauf, dass von der Werratalschule künftig ein deutliches Signal ausgeht, nämlich dass Vielfalt und Unterschiedlichkeit keine Schwäche sind ,sondern eine Bereicherung für uns alle. Dass wir akzeptieren, unterstützen, helfen und  über uns hinauswachsen, dass wir Wagnisse eingehen und für etwas einstehen. Denn auch dafür steht die Schule gegen Rassismus und Schule für Courage.

Besonders toll finde ich, dass das Projekt von unten gewachsen ist und die Intention durch den ehemaligen Schülersprecher kam.  Den Titel „Schule ohne Rassismus“ haben bisher 5% der Thüringer Schulen erreicht, mit der Werratalschule ist das die nun mehr 51.te.

Doch der Titel ist kein Pokal im Regal, sondern eine Verpflichtung, die täglich mit  Leben zu erfüllen ist und über die Schule hinausgeht. Ihr alle könnt Ideen und Projekte zum Thema Diskriminierung weiterentwickeln, als Patin werde ich euch dabei auch gerne weiterhin unterstützen. Und wichtig ist es auch, die Schule ohne Rassismus an möglichst viele weitere Schülergenerationen zu vererben .


Die Plakette an der Schulwand schützt nicht vor Vorurteilen und auch nicht vor Vorfällen, das muss uns allen bewusst sein, die Schule ist schließlich ein Spiegelbild der Gesellschaft. Doch ihr könnt Einfluss nehmen und aktiv werden, ihr könnt verändern.

Gerade ihr Schülerinnen und Schüler:

Seht hin und mischt euch ein, wenn Menschen in Not sind und erhebt eure Stimme!

Damit tragt ihr einen wertvollen Beitrag zu einer Gesellschaft bei, in der wir alle ohne Angst verschieden sein können.

Ihr habt die Chance, darin mitzuwirken, dass diese Ideologien der Ungleichwertigkeit auf den Köpfen der Menschen verschwinden und ihr könnt den Schulalltag noch weiter als bisher zum Positiven entwickeln, mit einem Klima des gegenseitigen Respekts und der Anerkennung individueller Werte.

Vor allem Mut und Courage wird gerade in Zeiten wie diesen dringender gebraucht denn je. Mut hilft gegen Angst und damit auch gegen Hass, also helft bitte weiter alle dabei mit, so dass wir Diskriminierung stück für stück weiter überwinden können.

Ihr alle seit dafür verantwortlich, dass die Schule die Plakette heute/morgen[?[ entgegen nehmen darf. Dafür von mir: ein herzliches Dankeschön und macht weiter so!